Besondere Stadtführung für Flüchtlinge

Konstanz -  Ehrenamtliche engagieren sich für die Integration der Asylbewerber und helfen ihnen bei der Orientierung in ihrer neuen Heimat.


Bericht Südkurier 25.06.2014 von Claudia Wagner

Stadtführungen bieten Touristen Einblicke in die Geschichte einer Stadt, in der sie nur wenig Zeit verbringen und die für sie ein nettes Urlaubserlebnis darstellt. Bei dieser speziellen Stadtführung ist alles anders: Horst-Theodor Schließer bietet mit Dorothea Frölich und Arzu Yildirim einem besonderen Publikum einen Rundgang durch Konstanz: Seine Zuhörer sind Flüchtlinge, die in der Flüchtlingsunterkunft im Atrium ihre Bleibe gefunden haben. Wie lange sie in Konstanz bleiben werden, weiß niemand: sie hoffen, dauerhaft hier leben zu dürfen.

Die Initiative zu den „alternativen Stadtrundgängen“ stammt von Horst-Theodor Schließer. Er ist einer der Ehrenamtlichen, die sich im Rahmen der „Save me-Kampagne“ gemeldet haben, um die hier aufgenommenen Flüchtlinge willkommen zu heißen. Auch Gemeinderätin Zahide Zarikas ist eine der Patinnen, die sich für die Flüchtlinge einsetzen. In wieweit hilft ihr Mandat im Gemeinderat, den Flüchtlingen zu helfen? „Es ist nicht einfach, weil die Landespolitik für Flüchtlinge zuständig ist. Wir haben aber, als die mazedonische Familie abgeschoben wurde, eine Resolution verfasst.“

An diesem Mittwoch schließen sich sechs junge Männer aus Eritrea dem Stadtspaziergang an. Dieser bietet den Flüchtlingen mehr als die historischen Informationen für Touristen: Neben dem Rathaushof, der Niederburg, der Stadtbücherei und dem Inselhotel sind das Landratsamt sowie günstige und spezielle Einkaufsgelegenheiten wie ausländische Lebensmittelläden Ziele.

Die Flüchtlinge lernen auf diese Weise effizient ihre neue Heimat kennen, gleichzeitig erfahren die begleitenden Konstanzer Details aus den Schicksalen ihrer Zuhörer. Ein junger Eritreer erzählt, dass es für ihn keine Perspektive in seinem Land gebe, ständig gebe es Probleme mit der Polizei. „Wir haben Angst, für die Armee rekrutiert zu werden.“ Ein anderer junger Mann berichtet von seiner Flucht, die ihn in den Sudan, nach Libyen und schließlich mit dem Boot nach Italien geführt habe. Er sagt, er sei 19 Jahre alt, sieht aber jünger aus. Auch er berichtet von Problemen mit der Regierung, davon, dass er nach seinem Schulabschluss für ein Militär-Trainingscamp rekrutiert werden sollte. Etliche junge Männer werden durch die Mischung aus Perspektivlosigkeit und Angst zur Flucht genötigt.

Das Misstrauen ist bei den Eritreern inbegriffen: Keiner lässt sich gerne fotografieren, niemand nennt seinen Namen. Der erste Eindruck von Konstanz ist positiv bei den Afrikanern: Die historischen Gebäude beeindrucken. Künftig werden sie viel Zeit haben, ihre neue Heimatstadt zu erkunden, die sie mit so viel Aufwand, Angst und Ungewissheit erreicht haben.


Die Kampagne

In verschiedenen Städten Deutschlands gibt es die „Save me“-Kampagne. Auch in Konstanz setzt sich eine lokale Gruppe für die Umsetzung der Ziele ein. Diese sind, Flüchtlinge willkommen zu heißen und ihnen in der neuen Heimat Unterstützung anzubieten. Dazu engagieren sich Paten, Konstanzer Bürger, die ihre Ideen einbringen, wie man die Integration der Flüchtlinge erleichtern könnte. Manche helfen Kindern bei den Hausaufgaben, andere organisieren eine Stadtführung. Auch der Konstanzer Gemeinderat unterstützt die Kampagne. (cla)

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