Kinder- und Hausaufgabenbetreuung

Zu Besuch bei den ehrenamtlichen HelferInnen der beiden Save me Arbeitsgruppen

Die Lautstärke erinnert an einen Flughafen, irgendwo zwischen Schalterhalle und Startbahn. Was hier ohrenbetäubenden Lärm macht, sind allerdings keine startenden Boeings, sondern Kinder. Hier: Das ist die Kinder- und die Hausaufgabenbetreuung in der Gemeinschaftsunterkunft „Atrium“ in der Luisenstraße. Wer hier landet, hat bereits eine lange Reise hinter sich – allerdings in aller Regel nicht bequem mit dem Flugzeug. 30 Kinder und Jugendliche und etwa 135 Erwachsene leben in dieser Gemeinschaftsunterkunft. Dem kindlich-aufgeregten Geschrei und Gekicher nach zu urteilen, fühlen sich die Kids hier sehr wohl.

Save me Arbeitsgruppe Kinder- und Hausaufgabenbetreuung

Sie warten darauf, dass ihre Gruppen endlich losgehen, die von Susanne Paul-Großmann und Annika Ziegler organisiert werden. Susanne hat die Kinderbetreuung 2014 ins Leben gerufen. Zusammen mit etwa 20 ebenfalls ehrenamtlich arbeitenden Helferinnen und Helfern betreut sie die Jüngsten unter den Geflüchteten, die 3- bis 15-jährigen, die hier gemeinsam spielen, basteln, toben, sich streiten und wieder vertragen. Und weil sie alle verschiedene Sprachen sprechen, verständigen sie sich eben, pragmatisch wie sie sind, auf Deutsch und lernen so ganz nebenher die Sprache.

    Save me Arbeitsgruppe Kinder- und Hausaufgabenbetreuung

    Klare Strukturen und Regeln

    Sie spielen wie wohl alle Kinder dieser Welt, geräuschvoll und wild. Naja, etwas wilder als in einem normalen deutschen Kindergarten geht es schon zu. "Die Kinder brauchen klare Strukturen und Regeln. Man muss hier manchmal noch konsequenter durchgreifen als bei den eigenen Kindern", meint Susanne. Und dass sie das kann, sieht man: Die lautesten der kleinen Rabauken, die sich immer wieder in unser Gespräch einmischen wollen, trollen sich zügig nach einem resoluten, aber freundlichen Machtwort. Jeden Nachmittag sind fünf MitarbeiterInnen der Kinderbetreuung hier. Kinder aus Afghanistan, dem Iran, dem Irak, aus Albanien und Syrien spielen miteinander, aus moslemischen und christlichen Familien, und auch wenn es gelegentlich deswegen Streitereien gibt, dann weniger aus tiefster Überzeugung, sondern weil sie das von ihrer Umwelt abgeschaut haben.

      Die Kinder machen Fortschritte und die Lehrerin lernt dazu

      Für die schulpflichtigen Kinder der Gemeinschaftsunterbringung Luisenstraße bieten Annika Ziegler und ein Helferteam Hausaufgabenbetreuung an. Die Kinder gehen meist in sogenannte Vorbereitungsklassen, in denen sie auf den normalen Unterricht vorbereitet werden und die deutsche Sprache lernen.

      Save me Arbeitsgruppe Kinder- und Hausaufgabenbetreuung

      In der Hausaufgabenbetreuung können sie dann ihre Hausaufgaben machen und zusätzlich Hilfe im Deutschlernen bekommen. Um jedes Kind muss sich hier daher 1 Erwachsener kümmern. Annika ist seit eineinhalb Jahren fast jeden Tag hier: "Ein guter Freund von mir kommt aus Afghanistan. Er musste vor einigen Jahren auch fliehen. Die Geschichte seiner Familie hat mich berührt und ich habe beschlossen, etwas in dem Bereich zu machen. Es ist schön zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln, wie sie Fortschritte machen. Sie freuen sich über unsere Hilfestellung, dass sie hier lernen und Hausaufgaben machen können." Annika studiert Lehramt und lernt bei der Arbeit in der Luisenstraße selbst noch viel dazu. Manche der Kinder können sich kaum konzentrieren, leiden unter der häufigen Fluktuation in der Gemeinschaftsunterkunft oder haben Heimweh.

      Save me Arbeitsgruppe Kinder- und Hausaufgabenbetreuung

      Kind sein – spielen - lernen

      Susanne und Annika möchten, dass die Kinder wenigstens in den paar Nachmittagsstunden, in der Kinder- und Hausaufgabenbetreuung, eine schöne Zeit haben, ihre Ängste und Sorgen vergessen und einfach ganz normale Kinder sein können, die spielen und lernen.

      Ganz nebenbei bekommen die Kinder hier auf spielerische Art und Weise unsere Umgangsformen und Werthaltungen beigebracht, damit  es ihnen leichter fällt, sich in unsere Gesellschaft erfolgreich zu integrieren und sich bei uns wohl zu fühlen.

      Und wenn sich der Geräuschpegel gelegentlich dem eines Düsenjet annähert – na und? Wenn hier die Startbahn für ein neues, friedliches Leben ist, hat sich das auf jeden Fall gelohnt!

        Kinder- und Hausaufgabenbetreuung:

        Ansprechpartnerin: Susanne Paul-Großmann (E-Mail: info@save-me-konstanz.de)

        Ehrenamtliche Helfer und Helferinnen gesucht!

        Die Kinder- und Hausaufgabenbetreuung in den Gemeinschafts- und Notunterkünften sucht MitarbeiterInnen, die nachmittags regelmäßig Zeit haben, sich auf einen bestimmten Wochentag festlegen können und diese Zeiten zuverlässig einhalten können. Aus versicherungstechnischen Gründen müssen sie bei Save me registriert sein, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis beantragen und vorlegen und ein Merkblatt für ehrenamtlich Tätige unterschreiben.

        Susanne: "Und man sollte eine gehörige Portion Geduld mitbringen. Die Kinder haben zum Teil andere Temperamente, als es hier üblich ist ... "

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